Donnerstag, 28. August 2008

Foz do Iguaçu

Ai, bin ich mit dem Bloggen hinterher. Das werden viele Einträge auf einmal. Jaja, manchmal reist man eben schneller als man tippen kann. Ich hoffe ich kriege noch alles rekapituliert:

Also, Dienstag vor einer Woche sind wir von Sao Paulo nach Foz do Iguaçu aufgebrochen = das ist gleichbedeutend mit 18 wunderbaren Stunden im Bus. Es hat sich aber wirklich gelohnt. Diese Wasserfälle und der dazugehörige Nationalpark können schon einiges. Auf der brasilianischen Seite haben wir eine tolle Tour durch den Dschungel gemacht: 9km up und downhill durch den Wald, danach weiter mit dem Boot und Kajak und dann nochmal 2km zurück durch den Dschungel laufen. War wirklich einmalig. Haben tolle Tierchen gesehen, den Tucan und auch ganz viele Krokodile respektive Alligatoren (auch nach dem Trip ist mir der Unterschied leider noch nicht ganz klar...). Eines dieser Tierchen war 2 Meter gross und wir sind mit unserem Boot bis auf einen Meter rangefahren, tolles Foto wie er da den Mund aufreist. Leider stimmt was mit meiner Kamera nicht und ich kann die Bilder, die ich selbst gemacht habe, nicht hochladen. Hier nur ein Foto aus dem Kajak. Auch sehr lustig, ich bin mit dem Guide gefahren - Lukas. Er fand es tierisch witzig zu den Alligatoren zu paddeln (gelernt, das sind die kleineren) und sie mit Wasser zu bespritzen, so dass sie ins Wasser hüpfen und vor uns flüchten. Muss ich erwähnen das ich das Gefühl hatte genau zu wissen wer im Kampf Kajak gegen Krokodil unterliegen würde... Auf jeden Fall war es einfach wunderschön so mitten in der Natur zu sein, nachdem wir Wochen in der Stadt verbracht haben. Einfach mal durchatmen, viel durch die Gegend wandern und die Schönheit der Landschaft geniessen. Einfach toll. Weil es durch diese Tour aber schon recht spät geworden ist, haben wir es an unserem ersten Tag gar nicht mehr bis zu den Wasserfällen geschafft...
Von der brasilianischen Seite hat man einen super Überblick auf die ca. 250 Wassserfälle, denn die gehören - haha - fast gänzlich den Argentiniern. Dummerweise hatte sich das Wetter am nächsten Tag von strahlendem Sonnenschein in mieses fieses Regenwetter geändert. Allerdings erst NACHDEM ich, nur mit einem T-Shirt bekleidet, im Park angekommen war. Sehr sehr nett, wenn man sich so unter einem Stein verkriegen muss um nicht total durchweicht zu werden. Als wir endlich am Ende des Wegs angekommen waren, dem "Höllenschlund" oder auf Spansich (da mir der portugiesische Name nicht mehr einfallen will) "Garganta del Diablo", habe ich mir erst mal eine extrem stylische übergrosse Mülltüte als Regenmantel getarnt zu 7 Reais gegönnt. War auch wirklich eine Investition denn wenn man sich auf die Brücke vor den Höllenschlund gewagt hat war es zweierlei, extrem nass und extrem kalt. Von daher war ich über mein bisschen Plastik schon sehr glücklich. Dennoch: Es hat sich trotzdem gelohnt, einfach krass wie riesig dieser Wasserfall ist. Das Wasser fällt nicht, es wälzt sich den Hand runter, wie in einem 3D-Kino sieht das aus. Tolle Bilder - die ich leider nicht hochladen kann, grummel.

Montag, 25. August 2008

Sao Paulo II & International Congress

Habe meinen ersten Inlandsflug inklusive Transfer mit öffentlichen Nahverkehrsbus super gemeistert. Ehrlich gesagt einfach als von Frankfurt nach Düsseldorf zu fliegen, denn sowas wie Handgepäckbestimmungen für Inlandsflüge scheint's hier nicht zu geben. Ich sag nur "kommen sie halt ein Stündchen vor Abflug". Back in SP habe ich mich zur Site des IC durchgewuselt und aufgrund meines späten Fluges leider das Opening und Global Village verpasst. Dennoch wurde aus meinem geplanten Gastauftritt für einen Abend die Teilnahme am gesamten Alumnikongress. Daher war ich von Donnertstag bis Sonntag Gast im schönen Holiday Inn, dem grössten Hotel Brasiliens. Nett mal wieder nicht mit X Leuten einen Raum zu teilen, sondern nur einen Zimmergenossen zu haben.

Die Konferenz war der Hammer, der Alumnikongress wurde gänzlich in den IC integriert. Aufgrund meines doch noch recht zeitnahen Studienabschlusses wurde ich dann auch mal "Babyalumna" getauft ;-) Die Session waren super und, man wird es kaum glauben, sie und nicht die Parties gaben den Ausschlag warum ich unbedingt bleiben wollte. Sie hatten ein wirklich geniales Faciteam und mit David Cooperrider (Entwickler Appreciative Inquiry) und Toke Moller (Entwickler des Art of Hostings) zwei wirkliche Grössen dabei. Ich hatte ausserdem das Glück zwei Stunden in einem kleinen Kreis mit Toke zu landen und super viel über Art of Hosting zu lernen. Also, kurzum, bin begeistert - ganz grosses Tennis.

Aber auch die Parties waren wirklich nett, vor allem der brasilianische Abend in einer Samba School mit Musik und Darbietungen aus allen Teilen Brasiliens. Witzig ist auch, dass die Brasilianer einfach das Partyende verweigern, ihre eigenen Instrumente auspacken und noch 2h weiter musizieren, klatschen und singen. Ja, das gäb's dann zu Hause eher nicht...
Seit Sonntag Abend bin ich wieder bei Vitor und seiner Familie aus der ersten Sao Paulo Zeit. Bin wieder total herzlich aufgenommen worden und hier habe ich auch Ingo wieder getroffen, der schon einen Tag früher hier angekommen war. Das ist hier wahrlich nicht die schönste Stadt in der wir waren, aber dank Vitor, seiner Familie und seinen Freunden habe ich mich hier wohl am wohlsten gefühlt. In 3 1/2 Stunden geht's aber nun schon wieder weiter. Auf nach Foz do Iguçu, an die grossen Wasserfälle. Dort werden wir dann auch nach ein, zwei Tagen die Grenze nach Argentinien überqueren. Vielleicht gibt's noch ein kurzes Gastspiel in Paraguay, denn dazu muss man nur über eine Brücke laufen und ist im Shopping Paradies. Dumm nur, dass der Rucksack bereits recht schwer ist.
PS: Mein Akkuladegerät für die Kamera, dass ich dummerweise bei meinen Eltern und nicht hier in meinem Rucksack hatte, ist da :) Ingo konnte es gegen Zahlung von 1 Real für mich in Salvador abholen bevor auch er wieder nach SP geflogen ist. Jetzt gibt's endlich auch wieder digitale Fotos. Yipiiieeeee!!!!!!!!!!!!!!

Mittwoch, 20. August 2008

Random Observation

Eine kleine Mitteilung am Rande:
Wir haben hier eine Flasche Pitu im Supermarkt gesehen: 1 Liter zu 3,59Reais = 1,40Euro
Ich glaube ich werde ein Importgeschäft eröffnen.

Salvador de Bahia II

Die letzten Tage habe ich mich sehr an die brasilianische Lebensart und vor allem die Auffassung von Zeit angepasst. Alles läuft hier in Bahia langsamer und gemächlicher ab als man es von zu Hause kennt. Auf den Bus wartet man schon mal ne Stunde aber "er kommt halt wenn er kommt" und die Sachen "dauern solange sie dauern". Kein Grund für Stress oder Eile. Also Sonne geniessen und relaxen beim Warten. War sehr entspanned einfach mal zwei Gänge runter zu schalten, nachdem die erste Zeit in Sao Paulo und Rio doch schon sehr vollgepackt war mit Programm und schnellstmöflich weiterreisen, so dass man auch ja nichts verpasst. Wir haben es uns hier in dem tollen Hostel echt gut gehen lassen, viel Zeit in der Hängematte verbracht und mit den anderen Gästen (allesamt ausländische Studierende auf Wohnungssuche, grösstenteils aus Spanien) rumgehangen. Naja, wir mehr als sie, denn sie hatten ja morgens Uni ;-) Es gibt hier in Salvador ein paar echt schöne Ecken und Strände, aber zu tun gibt's nicht so viel. Von daher heisst es einfach das Leben geniessen. Gestern waren wir auf einem grossen Strassenfest in Pelourinho, der historischen Altstadt von Salvador. Es gab viel Musik und Tanz, vor allem Samba und Capoeira. Hat sehr viel Spass gemacht da ein bisschen mitzufeiern und parallel den, wirklich exzellenten, Caipi für 3 Reais - etwa 1,20 Euro - zu trinken :))) Die Altstadt ist auch sonst wirklich schön, Unesco Weltkulturerbe, aber so allmählich kennen wir auch jede Gasse. Ich freu mich drauf, dass nun wieder ein bisschen mehr Action in den Alltag einkehrt.
Morgen geht dann mein Flieger zurück nach Sao Paulo. Da werde ich zum Opening des International Congress gehen und danach mit unseren lieben Freunden aus der ersten Sao Paulo Zeit, Vitor und Andressa, das Wochenende verbringen. Bis dahin hat mich Ingo, der noch ein paar Länger bei seinen Bekannten in Salvador bleibt, hoffentlich auch wieder eingeholt. Dann geht's nämlich weiter zu den Iguazu Wasserfällen und auf nach Argentinien. Wird auch langsam Zeit: Brasilien ist einfach wahnsinnig cool aber langsam wird's hier echt teuer. Die Reisekasse braucht dringend ein bisschen Schonung, und das klappt hoffentlich besser in Argentina.

Sonntag, 17. August 2008

Salvador de Bahia

Salvador ist die Stadt in der bis heute die afrikanische Kultur der einstiegen Sklaven dominiert. Christentum und Vodoo gehen Hand in Hand und überall finden sich afrikansiche Traditionen wie Tanz und Musik. Doch dazu ein andermal mehr, wir sind ja schliesslich erst heute angekommen.
Und da muss ich doch mal unser kleines Abenteuer los werden. Wir hatten online eine Pousada gebucht und ich war schon misstrausisch warum sie mit ~6Euro so billig war. Naja, das hatte sich schnell geklärt als wir da waren. Nachdem wir von unserem Taxifahrer, wie auch schon in Porto Seguro abgezockt wurden, Standen wir mitten im Zentrum von Salvador. Das ist zwar toll zum Weggehen, aber es treibt sich dort auch eine Menge komisches Volk rum. Kaum waren wir aus dem Taxi, bot sich auch schon ein hartnäckiger Typ an, uns den Weg zum Hostel zu zeigen. Trotz eindeutigem Ablehnen ist er einfach mitgelaufen. Mein portugiesisch ist inzwischen gut genug, um das Wesentliche zu verstehen. Er meinte wir sollen nicht sagen, dass wir eine Reservierung hätten, dann bekommt er Geld für's anschleppen von Kunden. Auch das haben wir freundlich abgelehnt, aber wie hier eben auch Zeit ein relatives Konzept darstellt, verhält es sich mit dem Nein genauso. Also haben wir in ignoriert und er ist mitgetrabt. Das Hostel, war in etwa so schön wie das Kellergefüge des gleichnamigen Horrorfilms. Was noch merkwürdiger war, war das es keine anderen Gäste gab, sondern nur hier und da ein Betrunkener seinen Rausch ausschlief. Die Zimmer als winzig zu bezeichnen wäre noch geschmeichelt. Wir dachten uns für eine Nacht wird es schon gehen, und haben das obligatorische Kärtchen ausgefullt. Übrigens getrennt von einander, denn unser neuer Buddy war mehr als verärgert, dass er kein Geld von uns bekommen hat, und ich war mir sicher, dass er uns gleich die Rusäcke ausräumt, wenn wir die alleine lassen. Nachdem wir 5min in dem Zimmer sassen und noch mehr Merkwürdigkeiten beobachten konnten, haben wir kurzerhand beschlossen, dass wir Fersengeld geben und uns heimlich aus dem Staub machen. Wir sind nach oben, überraschenderweise war niemand im Büro, und haben die Karten mit unseren Daten eingesteckt. Dann sind wir so schnell wir konnten von dort verduftet, denn wir wollten für dieses Gastspiel in Hostel II nicht auch noch was zahlen müssen. Also wieder in ein Taxi gesprungen, diesmal aber dran gedacht vorher zu handeln. Sehr praktisch, dass die sich hier auch gegenseitig in die Pfanne hauen und als der erste Fahrer von 25 nicht weiter als auf 20 Reales runter wollte kam sofort ein zweiter und meinte er fährt uns für 17. Ja, es gibt Taximeter, aber das hilft auch nichts, denn die drehen einfach noch ne Tour wenn man das vorher nicht festmacht. Wir sind dann auf gut Glück zu einem Hostel aus dem Lonely Planet Guide gefahren. Die waren zwar voll, aber super hilfsbereit und haben andere gute Adresse durchtelefoniert. Jetzt sind wir in einem echt gemütlichen Hostel, mit tollen Leuten und einer super Atmosphäre. Lektion gelernt, Qualität hat halt überall auf der Welt seinen Preis...
Heute wurde dann erst mal in der Hängematte gechillt und gleich geht's wohl noch mit ein paar anderen aus dem Hostel in ne Bar. Also back to normal. Die Tage folgt dann ein ausführlicher Bericht aus Salvador.

Porto Seguro

Donnerstag Nacht sind wir nun unsere 18 stündige Bussfahrt - die dann doch eher 20 Stunden gedauert hat - angetreten um von Rio nach Porto Seguro im schönen Staat Bahia zu fahren.
An dieser Stelle erst mal ein kleiner Exkurs zu den Unterschieden zwichen Schwellenlädern und Industrieländern:
Ein wesentlicher Unterschied liegt einfach darin, dass sie hier das Prinzip der Wirtschaftlichkeit noch nicht so sehr verinnerlicht haben. Da sitzt man nun in einem auf gefühlte 10° temperierten Bus und bekommt zum Schutz gegen die Kälte eine Decke ausgehändigt. Ja, ich muss sagen ich Frage mich doch warum man hier Geld für das extra Benzin zum Betrieb der Klima ausgibt und dann noch mehr um Decken für die Passagiere zu kaufen, anstatt einfach selbiges für beides zu sparen.... Brasilianische Effizienz. Mein Kommentar: Hatschi, ich habe Schnupfen!!!
In Porto Seguro sind wir dann doch nur einen Tag und nicht zwei geblieben. Es ist schon das Partyparadies dort - allerdings in etwa genauso wie der Ballermann im Januar. Komplett ausgestorben, nicht mal die uns vertrauten Kegelclubs lassen sich blicken. Gleichzeitig ist es aber auch "der Ort an dem Brasilien geboren wurde". Hier landeten die Portugiesen vor 500 Jahren zuerst und in der historischen Altstadt kann man sich die ersten portugiesischen Gebäude Brasiliens ansehen.
Wir waren bei Samuel couchsurfen, ein netter Typ, aber nicht grade ein Freundefinder. Wir waren am Abend recht gediegen weg bei seinen Arbeitskollegen. Der Mensch hatte einen richtigen Pizzaofen in seinem Haus, das übrigens wirklich gross war mit Pool und allem drum und dran. Ein netter Abend mit dem obligatorischen Caipirinha (ich glaube am Ende der Zeit inBrasilien habe ich davon dann auch für den Rest der Reise genug getrunken). Tagsüber haben wir am Strand gechillt. Wirklich nett, aber eben nichts los. Samuel wollte gerne, dass wir bleiben, weil er sonst niemanden zum Weggehen hat aber mein Reisefieber ist wieder ausgebrochen und so haben wir uns Freitag Abend in den Bus nach Salvador geschwungen, yipie wieder 11 Stunden Fahrt...
to be continued....

Donnerstag, 14. August 2008

Rio aus der Vogelperspektive...

Mit einem atemberaubenden Rundflug im Drachen verabschiede ich mich von Rio...Zumindest war das so geplant. Leider habe ich den ganzen Vormittag auf einem Berg im Regenwald verbracht (und echt merkwürdige kleine Affen gesehen) nur um dann doch wegen des Nebels nicht starten zu können. Naja, schade ist's aber da kann man nichts machen. Dann wohl ein anderes Mal. In ein paar Stunden geht's weiter, der nächste Halt heisst Porto Seguro, nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Salvador und wohl das Mallorca von Brasilien. Aber wir finden, dass nach 18h Busfahrt eine kleine Pause ganz gut kommt. Daher, schweren Herzens aber dennoch: Tchau Rio

Rio de Janeiro: Das Leben als Tourist

Was soll man über das touristische Rio sagen, dessen Bilder jeder so gut aus dem Fernsehen kennt. Es ist einfach überwältigend schön dieses Fleckchen Land. Die schönsten Strände, umgeben von grünen Bergen, Regenwald und azurblauem Meer. Leblond, Ipanema, und natürlich die legendäre Copacabana. ein Tag am Strand in dieser Landschaft mit einer kühlen Kokusnuss und ich hab mich schon fast vom ganzen Diplomarbeitsstress erholt. Wir sind unglaublich viel gelaufen um uns alles anzusehen - und: Es ist ENDLICH warm, bei 27° und strahlendblauem Himmel lässt es sich doch schon viel besser aushalten als bei 16° und Regen. Sonntag nacht sind wir angekommen und haben bei Paolo gecouchsurft. Dufter Typ mit dem wir einige Bierchen trinken waren an diesem und den folgenden Abenden.

Natürlich darf bei einem Besuch in Rio auch nicht der Zuckerhut und Christo fehlen (übrigens für alle, denen das wie mir nicht ganz so klar war, zwei gänzlich verschiedene Berge). Von beiden war der Blick einfach atemberaubend. Als wir bei Christo waren, war das Wetter perfekt und man konnte ewig weit sehen. Auf dem Zuckerhut waren wir dann in der Abenddämmerung, wenn sich das Licht über der Stadt bricht - wahnsinn. Wir haben dort ewig gesessen und gewartet bis es stockfinster war (das ist hier zur Zeit gegen 18Uhr - ist halt trotz sommerlicher Temperaturen Winter) und Rio zu einer Grossstadt im Lichtermeer wurde.

Als Kontrast hierzu das quierlige Centro, die Altstadt mit Märkten auf denen es alles zu kaufen gibt was sich der liebe Europäer so verstellen kann und danaben Downtown, das Geschäftsviertel mit extrem krassen Hochhäusern, zum Teil noch von Oskar Niemeyer designed (der Architekt der auch die konstruierte Hauptstadt Brasilia entworfen hat) Wir wurden hier von Paolo rumgeführt, denn wenige Touristen verirren sich ins Centro oder nach Downtown. Aber die Atmosphäre war wirklich toll. So ein Kontrast, aber ich glaube den Satz könnte ich hier in Brasilien jeden Tag schreiben.

Wer jemals nach Brasilien kommt: Rio ist ein MUSS!!!

Mittwoch, 13. August 2008

Das andere Rio

Favelas Tour

Ok, das ist nicht annähernd so makaber wie es sich anhört. Es gibt eine Tour, de sich "be a local" nennt und Leuten das richtige Leben abseits der Clichés näher bringen will. Einfach krass und gleichzeitig wirklich grossartig was wir alles gelernt und gesehen haben. Zuerst sollte ich wohl sagen, dass die Favela Rozinho direkt and das teuerste Viertel von Rio grenzt, mit dem teuersten Hotel, dass es hier gibt. Rio ist wohl die einzige Stadt der Welt in der die Armen über den Reichen wohnen und dadurch einen traumhaften Blick über Rio haben. Um rauf nach Rozinho zu kommen, fährt man als "local" in mörderrichem Tempo mit dem Motorbike den Berg hoch zum Eingang der Favela und quetscht sich durch die winzigsten Lücken zwischen Bussen, Menschen und anderen Motorbikes. Zwischendrin hat mich mein Fahrer noch fast umgebracht weil ein anderer rausgezogen ist und wir dann fast gestürzt, aber mir wurde eindringlich versichert, das sei ganz normal ... na dann, kein Grund zur Panik.

Die Bikefahrt from Hell war damit aber auch schon das gefährlichste an der ganzen Tour. Im Prinzip ist man im Favela, wenn man sich an die Spielregeln hält, sicherer als an der touristschen Capacabana. Der "Owner", also der 23jährige Drogenboss, der in dem Favela gleichzeitig die Rolle des Bürgermeisters, Polizeichefs und Präsidenten einnimmt, garantiert den Bewohnern Sicherheit und Ruhe. Die Polizei hat dort nichts zu melden, und ehrlich gesagt ist die wohl eh gekauft. Es gibt die drakonischsten Strafen wenn man stielt oder schlimmeres, wie aus dem Mittelalter. Aber daher herscht innerhalb der Favela eben Ruhe (es sei denn ein Bandenkrieg zur Übernahme der Favela bricht aus, aber das passiert in sehr Rozinho selten, weil es so gross und befestigt ist).

Das Leben im Favela ist ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Ich hatte das Bild von Wellblechhütten, verschlammten Strassen und hungernden Kindern. Stattdessen gab es Steinhäuser, Elektrizität, Kabelfernsehen und Internet (wenngleich auch alles illegal angezapft) und betonierte, im ärmeren Teil weiter unten, recht schwierig passierbare Wege. Ich dachte immer das gäbe es nur Drogen und sonst nichts, aber fast alle Leute die da wohnen haben einen ganz normalen Beruf in der Stadt, es sind die hunderte von Kellnern, Zimmermädchen, und Türsteher, deren Lohn einfach nicht für ein Leben woanders reicht. Im Prinzip sind wir von ganz oben nach unten durch Winkel und Gassen gelaufen, haben dabei die Main Street gesehen die mit Post, Verwaltung und Supermarkt eher aussah wie eine Ecke in Neuköln, eine Graffittikunsthandlung besucht, sehr tolle Backwaren gegessen (wirklich besser als hier in der Stadt und nein, ich bin nicht krank geworden) und eine Kindertagesstätte besucht sowie drei Kindern der lokalen Musikschule beim Üben für den Karneval zugehört. "Be a local" nutzt 60% der Einnahmen aus den Touren, um sie dort in die Gemeinde zu investieren, vor allem in Projekte, die die Kinder von der Strasse holen. Das ist nämlich das Hauptproblem, wenn sie zu viel Zeit haben, sehen sie wie ihre 13jährigen Freunde 2000 Reales (800 Euro) pro Woche verdienen, indem sie für die "Manager" als Spitzel oder Kuriere arbeiten. Schutzgelder werden für die Touristen übrigens nicht bezahlt. Man hält sich an die Regeln und ist sicher. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Fotos gemacht (was übrigens auch kein Problem ist, solange man die Leute aus dem Drogengeschäft nicht aufnimmt). Die Kinder wollten alle ins Bild, denn sie denken, dass sie so vielleicht berühmt werden. Sie wollen alle Fussballstar oder Schauspieler werden, oder sie eifern ebem ihren anderen Vorbildern nach und geraten ins Drogengeschäft.

Es ist ungaublich traurig, man sieht diese kleinen Kinder und weiss, dass kaum eines davon wirklich eine Chance hat. Es ist wirklich ein Teufelskreis aus dem kaum jemand rauskommt. Zudem ist es absolut nicht ungewöhnlich mit 12-13 Jahren selbst wieder Kinder zu haben. Einer der Graffittikünstler war 29 - und bereits Grossvater. Ich hab mich lange gefragt, warum der Staat nicht mehr unternimmt, um die Situation zu verbessern. Mein Guide Daniela hat mir daraufhin erklärt, dass es den Offiziellen zum einen ganz recht ist wie's läuft. Der "Owner" sorgt für Ordnung und was sollte man sonst auch mit den 4 Mio. Menschen aus den Favelas anfangen. Gleichzeitig hat Daniela gesagt, dass man doch nicht ernsthaft glauben muss, dass ein 23-Jähriger alleine hinter einem monatlich 4 Mio Dollar Geschäft steht (das übrigens, wäre es legal, wohl Auszeichnungen für die beste Organisation und effizientesten Strukturen bekommen würde). Da hängen noch ganz andere Leute drin, die in der Stadt sonst ein angenehmes Leben führen. Zudem hat man wohl einfach die Chance verpasst etwas zu unternehmen, inzwischen hat sich das System so etabliert, dass es auch nichts bringen würde 100 der Verantwortlichen zu verhaften, weil direkt 300 hinterher rücken.

Die Favelas Tour war definitiv eines der bewegensten Erlebnisse, das ich je hatte. Und es ändert wirklich das Bild und die Vorurteile, die man über "Slums" hat. Die Menschen haben uns alle freundlich aufgenommen und wir haben etwas über ihr Leben erfahren. Ich würde diese Tour jedem empfehlen, der mehr von Rio sehen will, als den Zuckerhut, Christo und die wunderschönen Strände. "Be a local" ist dabei ein tolles Projekt, weil man wirkich durch alle Gassen läuft und das richtige Leben und die Leute kennenlernt.

Samstag, 9. August 2008

Brasilia live!

Oi e Opa, meine neuen Lieblingswoerter :)

Seit zwei Tagen sind wir nun - dank couchsurfing- bei den Ivanoffs, einer super lieben brasilianischen Familie mit mit bulgarischen Wurzeln. Wir wurden hier total herzlich aufgenommen und wir werden ganz doll bemuttert. Zwei Minuten nach unserer Ankunft waren wir schon samt der weiteren Verwandtschaft in einer unglaublich lauten, wuseligen, typisch brasilianischen Pizzaria eingeladen - Reizueberflutung beschreibt es am Besten :-) Die Ivanoffs leben in einer 'Kleinstadt' in einem Vorort von Sao Paulo, mit 700.000 Menschen klein im Verhaeltnis zu den 10 Mio in Sao Paulo selbst. Und alle diese Vororte zusammen haben nochmal 10 Mio Bewohner. Ja, wie war das doch gleich in Deutschland....

Abends ging's dann mit einer noch groesseren Anzahl an jungen Brasilianern, na ratet...richtig: Cachaça trinken bis fuenf Uhr morgens :))) Besser gesagt, die Brasilianern tranken Bier und die Deutschen den Cachaça. lol Dafuer geht's erstaunlich gut, nur ein klein bisschen unfit heute :) Wenn ich das richtig verstanden habe, geht's gleich mal wieder was trinken, so langsam komm ich nicht mehr mit. Das artet schon wirklich in Arbeit aus. Aber Vitor gibt sich unglaublich viel Muehe uns zu bespassen und es ist wirklich super lustig.

Heute waren wir dann mit der Familie bei einem Rodizio, Fleisch ueber Fleisch ueber Fleisch, alle 3,5sek kommt ein Kellner mit nem anderen Spiess.... Zumm zumm zumm, aus allen Richtungen. UND, die Sensation: Ich habe chicken heart probiert!!!!! Und mich wesentlich weniger angestellt als Ingo ;o Das Video davon regt dennoch zu heftigem Gelaechter an. Wird auf Anfrage gerne zugeschickt, zusammen mit dem Foto von Ingos Gesichtsausdruck. lol

Und zu guter letzt noch eine Kuriositaet: Nicht nur das Brasilianer ihr Auto auch fuer 100m Strecken benutzen und wenn noetig laenger auf den Parkservice warten als die ganze Strecke zu Fuss gedauert haette, nein, sie geben dem Begriff Service eine ganz neue Dimension. In der Pizzaria wird der Kellner vom anderen Ende des Raums herbeigewunken, um die Pizza, die nebendran auf dem Tisch steht, auf den Teller zu legen, im Laden gibt es mehr Verkaeufer als Kunden, und mein Lieblingsjob: Bei der Einfahrt ins Parkhaus drueckt man nicht etwa selbst auf das Knoepfchen um das Parkticket zu ziehen - nein - da steht jemand und macht das fuer einen :))))
Morgen geht's dann nachmittags mit dem Bus ins 6h entfernte Rio de Janeiro. Hoffentlich ist's da endlich WARM, denn die 16 Grad und Dauerregen sind jetzt auch mal genug. Dort couchsurfen wir dann bei Paolo, einem den Anschein nach total verrueckten Typen, der an der Copa Cabana wohnt. Und wie koennte es auch anders sein: Der will mit uns was trinken gehen ;o Naehres dazu dann demnaechst wenn wir uns wieder sehen bei 'Melanie goes South America'. Tchau Sao Paulo!

Donnerstag, 7. August 2008

Sao Paulo - Ein Tag und eine Million Eindruecke

Sao Paulo, was soll man ueber eine Stadt schreiben, in der jedes Haus fuer seinen eigenen Buergersteig verantwortlich ist und die so huegelig ist wie San Francisco, in der es 4 Millionen Autos gibt und einem erst Mittags auffaellt, dass das kein Nebel sondern Smog ist, der einem die Luft raubt. Wir haben heute sowohl die reiche Ecke der Avenue de Paulista gesehen, als auch das traditionelle Downtown, in dem es wirklich chaotisch zugeht. Nachdem wir 24h spaeter und einige Euro reicher (lieben Dank an die Lufthansa und ihre ueberbuchten Fluege) doch in Sao Paolo angekommen sind, haben ich mich schon ein bisschen verloren gefuehlt. Aber Mittags haben wir uns dann mit Viktor getroffen, den wir bei Couchsurfing.com kennengelernt haben. Er hat uns dann an die Hand genommen und uns Sao Paulo naeher gebracht. Meine Lieblingsstadt wird das hier definitiv nicht, aber es hat schon seinen ganz eigenen Charm. Wir sind hier in einem echt tollen Hostel, und morgen gehts dann fuer zwei Naechte zu Vitor und seiner Family. Und was habe ich heute noch gelernt...vergesst Caipirinha. Die trinken hier den Cachaca mit allen moeglichen Fruechten. Ich hatte eine die sich Jabuticaba nennt und fuer die es nicht mal eine Uebersetzung gibt. Dann hatten wir noch Maracuja, Erdbeeren und einmal die traditionellen Limetten. Also, Obst, das koennen die Brasilianer. Wir waren auf dem Mercato Municipal und da habe ich mindestens 20 neue Fruechte kennengelernt. Einfach grandios, kein Vergleich mit dem was wir in Deutschland kennen. Jetzt ists 21.30Uhr Ortszeit und der Jetlag und der Cachaca arbeiten hand in hand, so das ich inzwischen echt muede bin. Wir machen uns jetzt noch nen lustigen Abend im Hostel und in drei Tagen gehts weiter nach Rio...Berichte folgen.

Mittwoch, 6. August 2008

Erste Verzögerungen und ein neuer Job


Na, das geht ja schon mal vielversprechend los...
Nachdem ich gestern in einer, zugegebenerweise für mich nicht untypischen, last minute Aktion, meine DA abgegeben, Reisezeug gekauft, gepackt (Danke Britta) und zum Flughafen gehetzt bin, ergaben sich erste Änderungen meiner flexiblen Reiseroute. Ingo und ich dachten uns, das Frankfurt ja auch einen Zwischenstopp wert ist. Unsere Maschine war total überbucht und die Lufthansa hat allen, die ihren Platz aufgeben ein doch sehr verlockendes finanzielles Angebot gemacht, dass die Reisekasse nun erheblich aufbessert. Ich habe sogar einige Leute getroffen, die gestern zum vierten oder sogar fünften Mal ihren Sitz gegen Bezahlung aufgegeben haben! Mal sehen ob wir das heute abend auch nochmal machen und groß in das Business einsteigen. Dann sind die Flugkosten schon amortisiert. Vergesst die Bewerbungen, ich werde professionelle Flugsitzplatzaufgeberin. So ein Gehalt zahlt mir keine Beratung der Welt :-)